
Gebet, verstanden als eine Freundschaftsbeziehung mit dem Dreifaltigen Gott, ist eine Angelegenheit der Liebe. Und Liebe lässt sich nicht auf
wenige Stunden des Tages beschränken. Wenn man jemanden liebt, dann umfasst die Liebe alle Lebensbereiche, egal womit man beschäftigt ist.
Das Gebet umfasst also nicht nur die morgendliche und abendliche Gebetsstunde, wie sie für das Innere Gebet im Tagesablauf vorgesehen sind, sondern ist darüber hinaus eine Haltung der Sammlung, ein Streben nach tiefer Vereinigung mit dem lebendigen Gott während des Tages.
Nur wenn kontemplatives Beten als ein beständiges In-Beziehung-sein mit dem liebend anwesenden Gott gelebt wird, kann der Prozess der Umgestaltung, wie ihn die Tradition des Karmel immer wieder beschreibt, stattfinden und so den Einzelnen aus den Fixierungen des eigenen ICH lösen und in die Freiheit der Liebe führen.
Im Karmel ist alles auf ein intensives Gebetsleben ausgerichtet.
Wichtige Hilfen dafür sind Schweigen und Einsamkeit, das innere Gebet, für das täglich zwei Stunden vorgesehen sind, geistliche Schriftlesung
(1 Stunde täglich), das Beten der Psalmen beim gemeinsamen Stundengebet und vor allem die gemeinsame Eucharistiefeier, als Mitte und Höhepunkt des Tages.
Jede Schwester hat ihre eigene Zelle, ein kleines Heiligtum, in dem sie mit Gott allein ist.